Die Fidelen Inntaler

Einleitung

Keine andere Formation der alpenländischen Tanzmusik ("Tanzlmusi") ist so berühmt wie die Fidelen Inntaler. In ihrer traditionellen Besetzung mit zwei Flügelhörnern, Klarinette, Posaune, Baß, Akkordeon, Harfe und Schlagzeug haben sie die österreichische, besonders tirolerische, Volksmusik über Jahrzehnte auf ein besonderes Niveau gehoben. Hauptverantwortlich dafür war der Leiter dieser Gruppe, Gottlieb Weissbacher, der über 400 Kompositionen für seine Gruppe geschrieben hat, die auch heute noch weit über die Grenzen unseres Landes bekannt sind (darunter Stücke wie den Brennersee-Walzer, Zillertaler Marsch, Martscheiner Marsch, Trompetenpolka und viele mehr).

Als ich über diverse Suchmaschinen (z.B. Google) keine einzige Seite mit etwas mehr Informationen über die Fidelen Inntaler finden konnte, faßte ich schließlich den Entschluß, selbst eine solche Seite zusammenstellen, in der Hoffnung, daß diese für andere Musiker, die ebenfalls diese Art der echten Volksmusik zu schätzen wissen, eine Anlaufstelle im Internet sein möge.

Eine Rarität ist diese Aufnahme des Martscheiner Marsches aus den 50er Jahren. Auch wenn die Tonqualität der Aufnahme etwas leidet, so hört man doch die Begeisterung heraus, mit der die 8 Musiker hier zuwerke gingen.

Wenn Sie Hinweise, Anmerkungen oder Ergänzungen zu den Inhalten dieser Seite haben, schreiben Sie mir bitte an martin.piskernig@univie.ac.at! Im Besonderen würde ich mich über Hinweise zu weiteren Quellen (Bücher, Biographien, Links, ...) über die Inntaler und über Gottlieb Weissbacher freuen!

Übrigens: Niemand geringerer als Franz Posch ("Mei liabste Weis") hat eine Dissertation über das Leben und Wirken Gottlieb Weissbachers geschrieben! Ich bin dabei, die wichtigsten Fakten aus diesem großartigen Werk auf dieser Seite einzuarbeiten.

Gottlieb Weissbacher

29.12.1907 - 20.09.1988
Gottlieb Weissbacher wurde am 29. Dezember 1907 in Innsbruck geboren. Seine Jugendzeit verbrachte er in Wörgl. Von 1920 bis 1921 besucht er die Bürgerschule in Salzburg, wo er auch am Mozarteum ersten Unterricht auf der Violine bekommt. Zurück in Tirol, bringt er sich selbst das Flügelhornspiel bei und tritt der Jugendmusikkapelle Wörgl bei. Ab 1923 besucht er die Handelsschule in Schwaz. Gleichzeitig wird er auch Kapellmeister bei der Jugendmusik in Wörgl. In diese Zeit fallen auch die ersten Kompositionen. Von 1926 bis 1927 leistet Weissbacher seinen Militärdienst bei der Militärmusik in Innsbruck ab und vervollkommnet dort sein Flügelhorn- und Trompetenspiel. Nach seiner Militärdienstzeit tritt er 1927 in den Postdienst ein, dem er bis zur Pensionierung 1964 angehört. 1930 spielt Wiessbacher mit 4 anderen Musikern beim Packträger-Ball in einem Innsbruck Gasthof auf. Die Gruppe nennt sich "Die 5 Lustigen Inntaler". Ab nun folgen häufige Auftritte und sogar erste Schellack-Aufnahmen mit dieser Gruppe. 1932 heiratet Weissbacher Anna Thaler. Von den Kriegsjahren nicht verschont muß er von 1942 bis 1945 in den Kriegsmilitärdienst, den er bei verschiedenen Militärkapellen absolviert. Ab 1945/46 kehren nach und nach alle Musiker aus Krieg und Gefangenschaft zurück und die Inntaler formieren sich neu, inzwischen in erweiterter 8 Mann-Besetzung: Zwei Flügelhörner, Klarinette, Posaune, Baßtuba, Ziehharmonika, Volksharfe und Schlagzeug. Der rasante Aufstieg der Inntaler beginnt und die Gruppe erreicht ab den 50er Jahren Bekanntheit, die weit über die Grenzen Österreichs hinaus geht. 1964 geht Weissbacher in den Ruhestand, musiziert jedoch weiter. Neben der musikalischen Führung der Inntaler leitet er auch noch die Musikkapelle Natters und die Postmusik Innsbruck. Am 20. September 1988 verstirbt Gottlieb Weissbacher plötzlich und unerwartet durch einen Herzinfarkt. Am 24. September wird er in einem Ehrengrab der Gemeinde Natters beigesetzt.

Zeittafel

29.12.1907Gottlieb Weissbacher wird in Innsbruck geboren.
1920Weissbacher bekommt in der Bürgerschule in Salzburg ersten Unterricht auf der Geige.
1921In der Arbeitermusik Wörgl beginnt er zuerst, Baßtuba, dann Flügelhorn zu erlernen.
1923-1926Handelsschule in Schwaz (Tirol). Kapellmeister bei der Jugendmusikkapelle Wörgl.
01.11.1926Weissbacher tritt dem Alpenjägerregiment Nr. 12 (unter Militärkapellmeister Franz Kinzl) in Innsbruck als Flügelhornist bei.
27.06.1927Weissbacher scheidet aus dem Militärdienst aus und tritt in den Postdienst ein.
In der Postmusik Innsbruck bleibt er bis 1946 Soloflügelhornist.
1930Gründung der ersten Inntaler-Gruppe unter dem Namen Die Fünf Lustigen Inntaler.
Erster Auftritt in Innsbruck am Packträger-Ball im Gasthof Büchsenhausen.
Im März erste Schellack-Aufnahme der Gruppe.
1932Aufnahme einer Baßtuba und eines Schlagzeugs und somit Vergrößerung der Besetzung auf 7 Mann.
10.8.1932Hochzeit mit Anna Thaler
1938Erweiterung der Gruppe um einen zweiten Flügelhornisten und somit Erreichen der endgültigen Instrumentation.
12.01.1942Weissbacher wird zur Deutschen Wehrmacht (136. Gebirgsjägerregiment) einberufen. Zwangsläufig löst sich die Gruppe dadurch bis zum Ende des Krieges auf.
09.09.1945Toni Pfeifhofer (Flügelhorn) und Sepp Schimon (Klarinette) kehren aus der Kriegsgefangenschaft in Italien zurück.
Auch Posaunist Hans Jöchl kehrt aus dem Krieg zurück.
1945Ab Herbst beginnt sich die Kapelle zu spalten. Ein Teil der Musiker verläßt die Gruppe und spielt unter dem Namen Die lustigen Inntaler weiter.
16.01.1946Weissbacher wird Trompeter des Vorarlberger Funkorchesters in Dornbirn.
30.06.1946Weissbacher kehrt aus Vorarlberg nach Tirol zurück.
1946Es kommt zu Streitigkeiten zwischen den Abspaltern und Weissbacher, weil beide ihre Gruppe Die lustigen Inntaler nennen.
Fritz Bieler von Radio Tirol schlägt den Namen Die fidelen Inntaler vor.
1950Ab März Zusammenarbeit mit dem Bühnen- und Musikalienverlag Josef Weinberger. Bis 1959 veröffentlicht der Verlag 68 Kompositionen von Weissbacher.
Ab Dezember Schallplattenaufnahmen bei der Musikvertrieb AG Zürich für die Marke DECCA.
Weissbacher verpflichtet sich, jährlich ca. 12 Stücke mit den fidelen Inntalern aufzunehmen.
1951Einige Schellack-Aufnahmen bei Philips entstehen in der ursprünglichen Besetzung Die fünf lustigen Inntaler
1955Weissbacher kündigt den Vertrag mit DECCA. Bis dahin werden 91 Stücke aufgenommen.
1964Weissbacher wechselt vom aktiven Postdienst in den Ruhestand.
Er wird Kapellmeister der Postmusik Innsbruck.
1966Der 1. Flügelhornist Toni Pfeifhofer stirbt. Nachfolger ist Friedl Lanthaler.
1968Der Klarinettist Franz Fuchs muß aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Nachfolger wird Franz Haselwanter.
1972Nachfolger von Hans Jöchl an der Posaune wird zunächst Bruno Issig, dann Thomas Sponring.
Weissbacher legt das Amt des Kapellmeisters der Postmusik Innsbruck nieder.
1973Im Herbst wird Karl Baumann Posaunist der Gruppe.
1974Ab März spielt Friedl Baumann als Nachfolger von Lorenz Gratzl die Tuba. Friedl ist der Cousin des Posaunisten Karl Baumann.
1980Im Jänner wird Sepp Höppberger, der Harfinist, von Ludwig Troppmair abgelöst.
1983Nachfolger von Friedl Lanthaler am 1. Flügelhorn wird Eugen Löffler.
1987Im Sommer wird Rudolf Felderer neuer Schlagzeuger der Fidelen Inntaler.
1988Im September letztes Konzert in Kolsass (Tirol) unter Gottlieb Weissbacher.
20.09.1988Gottlieb Weissbacher stirbt unerwartet an den Folgen eines Herzinfarkts.
24.09.1988Beisetzung in einem Ehrengrab der Gemeinde Natters.
1991Im Frühjahr hört Franz Haselwanter (Klarinette) auf, Bernhard Schnitzer folgt ihm nach.
2002Die Fidelen Inntaler lösen sich im Herbst aus Altersgründen auf. Damit einher geht die Veröffentlichung der letzten CD mit dem Titel Ein Dank an unsere Freunde, die auch 7 Neuaufnahmen enthält.

Besetzung vor der Auflösung

1. Flügelhorn:Eugen Löffler
2. Flügelhorn:Franz Ungerank
Klarinette/Saxophon:Bernhard Schnitzer
Posaune:Karl Baumann
Baßtuba:Friedl Baumann
Akkordeon/Es-Klarinette:Robert Hupfauf
Volksharfe:Ludwig Troppmair
Schlagzeug:Rudolf Felderer

Über die Musikanten

Löffler Eugen, geb. 7.6.1935, Arzl bei Innsbruck.
Mitglied bei den Fidelen Inntalern seit 1982.
Ungerank Franz, geb. 14.6.1933, St. Jodok.
Mitglied der Fidelen Inntaler seit 1988.
Schnitzer Bernhard, geb. 10.11.1952, Mils bei Hall.
Mitglied bei den Fidelen Inntalern seit 1991.
Baumann Karl, geb. 17.5.1939, Fritzens.
Mitglied bei den Fidelen Inntalern seit 1973, ab 1988 musikalischer Leiter.
Baumann Friedl, geb. 28.11.1931, Sistrans.
Mitglied bei den Fidelen Inntalern seit 1974.
Hupfauf Robert, geb. 19.10.1927, Oberperfuß.
Mitglied bei den Fidelen Inntalern seit 1952.
Troppmair Ludwig, geb. 26.11.1944, Fritzens.
Mitglied bei den Fidelen Inntalern seit 1980.
Felderer Rudolf, geb. 17.6.1932, Fritzens.
Mitglied bei den Fidelen Inntalern seit 1987.

Zum Stil

Zwar gibt es einige besondere Instrumentierungen unter den Kompositionen von Gottlieb Weissbacher, aber die allermeisten Stücke bzw. Stückarten (Polka, Walzer, Marsch, Boarischer, Ländler, ...) weisen unübersehbare Parallelen auf, die ich im Folgenden etwas zu charakterisieren versuche. Dieser Überblick erhebt keinesfalls den Anspruch, musiktheoretisch fundiert zu sein, sondern schildert nur aus meiner Erfahrung mit diesem Musikstil einige Beobachtungen.

Bei den meisten Stücken sind die Hauptmelodieinstrumente die 2 Flügehörner (fast immer in für alpenländische Volksmusik üblicher Terz- oder Sextführung), die Klarinette hat dazu die Überstimme (meist eine Verdopplung der 2. Flügelhornstimme). Die Posaune spielt selten die Melodie als Unterstimme mit, meistens aber eine gemütliche Gegenmelodie. Baßtuba, große Trommel und Tschinellen geben die betonten Schläge, Akkordeon, kleine Trommel und Harfe den Nachschlag (sie übernehmen damit die "Hornfunktion" der Blasmusik). Diese drei Instrumente spielen die Begleitung meist improvisiert, ausgeschrieben sind die Stimmen nur für die Melodieinstrumente. Bei piano-Stellen setzt das Schlagzeug (vor allem Tschinellen) mitunter auch aus und überläßt Tuba, Akkordeon und Harfe ihre jeweilige Begleitfunktion alleine.
Daneben gibt es noch (vor allem in Trio-Teilen von Walzern) die Situation, daß die Melodie von 2. Flügelhorn und Posaune gespielt wird. In Stücken, wo Saxophon statt Klarinette (das Saxophon wurde ja von Sepp Tanzer, der gelegentlich bei den Inntalern ausgeholfen hat, in die Inntalerbesetzung eingeführt) besetzt ist, spielen auch Saxophon und Posaune die führende Stimme.
Bei Ländlern wechselt der Akkordeonist auf die Es-Klarinette und somit ist auch mit den Holzblasinstrumenten zweistimmige Melodieführung möglich. In vielen Fällen wechseln so die beiden Flügelhörner mit den Klarinetten ab. Einige Stücke sind in einem "böhmischen" Stil geschrieben, hier haben die Klarinetten die in dieser Musik übliche "Zierfunktion", während die zwei Flügelhörner oder 2. Flügelhorn und Posaune die Melodie führen.
Bei Märschen findet man die für österreichische Marschmusik gewöhnliche Instrumentierung vor. Hier darf auch die Tuba aus ihrer reinen Begleitrolle ausbrechen und zusammen mit der Posaune meist im Mittelteil führen und Klarinette(n) und Flügelhörner übernehmen - zusätzlich zu den gewöhnlichen Begleitinstrumenten - den Nachschlag.

Historische Photographien

Auf dieser Seite soll eine Sammlung von historischen Photographien der Fidelen Inntaler entstehen.

Diskographie

Über die Jahrzehnte ihres Wirkens sind zahlreiche Schellacks, Audiokassetten und CD mit Stücken der Fidelen Inntaler erschienen. Ich versuche auf dieser Seite eine Übersicht über mir bekannte Veröffentlichungen zu geben.

Herr Gerd Clees hat mir freundlicherweise einige Covers älterer Aufnahmen zukommen lassen: Hier klicken!

Stücke von Gottlieb Weissbacher

Gottlieb Weissbacher hat weit über 400 Musikstücke verschiedener Art komponiert. Ich möchte versuchen, eine Auflistung aller dieser Stücke zu erstellen. Dazu habe ich eine eigene Seite eingerichtet.

Quellenangaben

  • Booklet zur CD "Die Fidelen Inntaler in Aufnahmen aus den Jahren 1952-62", ORF Edition
  • Booklet zur CD "Ein Dankeschön an unsere Freunde", KOCH Verlag
  • Booklet zur CD "Allweil lustig", KOCH Verlag
  • Booklet zur CD "90 Jahre Gottlieb Weissbacher", KOCH Verlag
  • Booklet zur CD "...spielen Melodien von Gottlieb Weissbacher"
  • Booklet zur CD "70 Jahre", KOCH Verlag
  • Booklet zur CD "Am Brennersee", KOCH Verlag
  • Booklet zur CD "Erfolgsmelodien von Gottlieb Weissbacher", KOCH Verlag
  • Booklet zur CD "Bei uns in Tirol", KOCH Verlag

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