18.4 Gewöhnliche Differentialgleichungen


18.4.1 Definition. Gewöhnliche Differentialgleichung 1. Ordnung.
Unter einer gewöhnlichen Differentialgleichung 1.ter Ordnung versteht man eine Gleichung der Form

$\displaystyle x'(t)$ $\displaystyle = f(t,x(t))$    
$\displaystyle x(t_0)$ $\displaystyle = x_0$    

wo \bgroup\color{demo}$ f:\mathbb{R}\times E\supseteq I\times U\to E$\egroup gegeben ist für ein offenes Intervall \bgroup\color{demo}$ I$\egroup in \bgroup\color{demo}$ \mathbb{R}$\egroup welches \bgroup\color{demo}$ t_0$\egroup enthält und eine offene Umgebung \bgroup\color{demo}$ U$\egroup von \bgroup\color{demo}$ x_0$\egroup in einem endlich dimensionalen Vektorraum \bgroup\color{demo}$ E$\egroup (so ein \bgroup\color{demo}$ f$\egroup heißt (Zeit-abhängiges Vektorfeld auf \bgroup\color{demo}$ U$\egroup) und wobei die Lösung \bgroup\color{demo}$ x:I\supseteq J\to U\subseteq E$\egroup eine differenzierbare Kurve auf einen offenen Intervall \bgroup\color{demo}$ J$\egroup sein soll, welches \bgroup\color{demo}$ t_0$\egroup enthält. Den Parameter \bgroup\color{demo}$ t\in J\subseteq I$\egroup interpretiert man dabei zumeist als Zeit und \bgroup\color{demo}$ x\in U\subseteq E$\egroup als Ort.

Image ..//pic-4-18.gif

Im Falle, daß \bgroup\color{demo}$ f(t,x)$\egroup nicht von der 2.ten Variable abhängt (also ein Orts-unabhängiges Vektorfeld ist), d.h. \bgroup\color{demo}$ x'(t)=f(t)$\egroup zu lösen ist, wissen wir nach (18.2.2), daß \bgroup\color{demo}$ x:t\mapsto x_0+\int_{t_0}^t f(s) ds$\egroup die eindeutig bestimmte Lösung ist, falls \bgroup\color{demo}$ f$\egroup stetig ist.

Im Falle, daß \bgroup\color{demo}$ f(t,x)$\egroup nicht von der 1.ten Variable abhängt (also ein Zeit-unabhängiges Vektorfeld ist) und \bgroup\color{demo}$ E=\mathbb{R}$\egroup ist, also \bgroup\color{demo}$ x'(t)=f(x(t))$\egroup zu lösen ist, können wir (formal) wie folgt vorgehen:

  $\displaystyle \frac{dx}{dt} =x'(t)=f(x(t)) \Rightarrow \frac1{f(x)} dx=dt$    
$\displaystyle \Rightarrow$ $\displaystyle G(x):=\int \frac{1}{f(x)} dx=\int dt=t+C$    
$\displaystyle \Rightarrow$ $\displaystyle x=G^{-1}(t+C)$ mit $\displaystyle C=G(x_0)-t_0.$    

Das setzt natürlich voraus, daß wir sowohl \bgroup\color{demo}$ G:=\int1{f}$\egroup bestimmen können als auch dessen Umkehrfunktion \bgroup\color{demo}$ G^{-1}$\egroup. Indem wir nun die Probe machen können wir uns überzeugen, daß diese etwas suspekte Rechnung wirklich eine Lösung geliefert hat:

\bgroup\color{demo}$\displaystyle x'(t) = (G^{-1})'(t+C)=\frac1{G'(G^{-1}(t+C))}=f(G^{-1}(t+C))=f(x(t)).
$\egroup

Im allgemeinen Fall eines sowohl Zeit- als auch Orts-abhängigen Vektorfelds können wir zumindest folgende lokale Existenz- und Eindeutigkeitsaussage für die Lösbarkeit angeben.




18.4.4 Theorem von Picard & Lindelöf.
Es sei \bgroup\color{demo}$ f:[-a,a]\times B\to E$\egroup stetig und bzgl. der zweiten Variable Lipschitz (d.h. \bgroup\color{demo}$ \exists L>0\forall t,x_1,x_2:
\Vert f(t,x_1)-f(t,x_2)\Vert\leq L \Vert x_1-x_2\Vert$\egroup), wobei \bgroup\color{demo}$ B$\egroup der abgeschlossene Ball im Euklidischen Raum \bgroup\color{demo}$ E$\egroup mit Mittelpunkt \bgroup\color{demo}$ x_0$\egroup und Radius \bgroup\color{demo}$ b$\egroup sei. Weiters, sei \bgroup\color{demo}$ a_1:=\min\{a,\frac{b}{\Vert f\Vert_{\infty}}\}$\egroup, wobei \bgroup\color{demo}$ \Vert f\Vert_{\infty}:=\sup\{\vert f(t,x)\vert:\vert t\vert\leq a,x\in B\}$\egroup.
Dann existiert eine eindeutige (iterative erhaltbare) Lösung \bgroup\color{demo}$ x':[-a_1,a_1]\to B$\egroup der Differential-Gleichung

\bgroup\color{demo}$\displaystyle x'(t)=f(t,x(t))$\egroup mit \bgroup\color{demo}$\displaystyle x(0)=x_0.
$\egroup

Beweis. Aus \bgroup\color{demo}$ \Vert f(t,x_1)-f(t,x_2)\Vert\leq L\Vert x_1-x_2\Vert$\egroup folgert man \bgroup\color{demo}$ \Vert f(t,x)-f(t,x_0)\Vert\leq L b $\egroup und da \bgroup\color{demo}$ t\mapsto f(t,x_0)$\egroup stetig ist erhalten wir \bgroup\color{demo}$ \Vert f(t,x_0)\Vert\leq \Vert f(.,x_0)\Vert_{\infty}$\egroup und somit

\bgroup\color{demo}$\displaystyle \Vert f(t,x)\Vert \leq \Vert f(t,x)-f(t,x_0)\V...
...ert f(t,x_0)\Vert
\leq L\cdot b + \Vert f(.,x_0)\Vert_{\infty}<{\infty}
$\egroup

Um den Banach'schen Fixpunkt-Satz (16.4.6) anzuwenden, übersetzen wir die Differential-Gleichung in eine äquivalente(!) Integral Gleichung auf dem abgeschlossenen Ball \bgroup\color{demo}$ X:=\{x:\Vert x(t)-x_0\Vert\leq b\}$\egroup des vollständig metrischen Raumes \bgroup\color{demo}$ C([-a_1,a_1],E)$\egroup.
\bgroup\color{demo}$ (\Rightarrow)$\egroup Aus \bgroup\color{demo}$ x'(t)=f(t,x(t))$\egroup und \bgroup\color{demo}$ x(0)=x_0$\egroup erhalten wir mittels dem Hauptsatz \bgroup\color{demo}$ x(t)-x(0)=\int_0^t x'(s) ds=\int_0^t f(s,x(s)) ds$\egroup. Also ist \bgroup\color{demo}$ x(t)=x_0+\int_0^t f(s,x(s)) ds$\egroup.
\bgroup\color{demo}$ (\Leftarrow)$\egroup Umgekehrt erhalten wir aus \bgroup\color{demo}$ x(t)=x_0+\int_0^t f(s,x(s)) ds$\egroup

$\displaystyle \frac{x(t+r)-x(t)}r$ $\displaystyle =\frac1r(\int_0^{t+r} f(s,x(s)) ds-\int_0^t f(s,x(s))ds\Bigr)$    
  $\displaystyle =\frac1r\int_t^{t+r} f(s,x(s)) ds,$    

welches wegen dem Hauptsatz gegen \bgroup\color{demo}$ f(t,x(t))$\egroup konvergiert.

Der entsprechende Integral-Operator \bgroup\color{demo}$ I:x\mapsto I(x):t\mapsto x_0+\int_0^t f(s,x(s)) ds$\egroup läßt \bgroup\color{demo}$ X$\egroup invariant, denn für \bgroup\color{demo}$ x\in X$\egroup und \bgroup\color{demo}$ \vert t\vert\leq a_1$\egroup gilt

\bgroup\color{demo}$\displaystyle \vert I(x)(t)-x_0\vert=\Bigl\vert\int_0^t f(s,x(s)) ds\Bigr\vert
\leq a_1 \Vert f\Vert_{\infty}\leq b.
$\egroup

Und wenn man die äquivalente Norm \bgroup\color{demo}$ \Vert x\Vert:=\max\{\Vert x(t)\Vert e^{-2L\vert t\vert}:t\in [-a_1,a_1]\}$\egroup verwendet, ist \bgroup\color{demo}$ I$\egroup eine \bgroup\color{demo}$ \frac12(1-e^{-La_1})$\egroup-Kontraktion, denn

$\displaystyle \Bigl\vert e^{-2 L \vert t\vert} (I(x_1)-I(x_2))(t)\Bigr\vert$ $\displaystyle =\Bigl\vert e^{-2 L \vert t\vert} \int_0^t f(s,x_1(s))-f(s,x_2(s)) ds\Bigr\vert$    
  $\displaystyle \leq e^{-2 L \vert t\vert} L\cdot\Bigl\vert\int_0^t \vert x_1(s)-x_2(s)\vert e^{-2 L \vert s\vert} e^{2 L \vert s\vert} ds\Bigr\vert$    
  $\displaystyle \leq e^{-2 L \vert t\vert} L\cdot\Bigl\vert\int_0^t \Vert x_1-x_2 \Vert  e^{2 L \vert s\vert} ds\Bigr\vert$    
  $\displaystyle \leq e^{-2 L \vert t\vert} \frac12 \Vert x_1-x_2 \Vert  \Bigl(e^{2 L \vert t\vert}-1\Bigr)$    
  $\displaystyle \leq \frac12 \Vert x_1-x_2 \Vert  \Bigl(1-e^{-2 L \vert t\vert}\Bigr)$    
  $\displaystyle \leq \frac12 \Vert x_1-x_2 \Vert.$    

Also ist der Banach'sche Fixpunktsatz anwendbar und wenn man mit einer beliebigen Funktion in \bgroup\color{demo}$ X$\egroup, z.B. der konstanten Funktion \bgroup\color{demo}$ x_0$\egroup, startet und rekursiv \bgroup\color{demo}$ x_{n+1}:=I(x_n)$\egroup definiert, dann konvergiert \bgroup\color{demo}$ x_n$\egroup in \bgroup\color{demo}$ X$\egroup gegen den eindeutigen Fixpunkt \bgroup\color{demo}$ x_{\infty}$\egroup, die Lösung der Differentialgleichung.     []


18.4.5 Beispiel. Nicht globale Lösungen.
Es sei \bgroup\color{demo}$ f(t,x):=1+x^2$\egroup. Die Lösung \bgroup\color{demo}$ x$\egroup der Differentialgleichung \bgroup\color{demo}$ x'(t)=f(t,x(t))$\egroup mit Anfangsbedingung \bgroup\color{demo}$ x(0)=0$\egroup können wir mittels Separation der Variablen bestimmen:

  $\displaystyle \frac{dx}{dt}=x'=1+x^2$    
$\displaystyle \quad\Rightarrow\quad$ $\displaystyle \frac{dx}{1+x^2} = dt$    
$\displaystyle \quad\Rightarrow\quad$ $\displaystyle \arctan(x)=\int\frac{dx}{1+x^2} = \int dt = t+C \quad\Rightarrow\quad x(t) = \tan(t+C)$    
$\displaystyle \quad\Rightarrow\quad$ $\displaystyle 0=x(0)=\tan(0+C) \quad\Rightarrow\quad C=0 \quad\Rightarrow\quad x(t) = \tan(t).$    

Die Lösung existiert somit nur auf dem Intervall \bgroup\color{demo}$ (-\pi/2,+\pi/2)$\egroup (und erreicht \bgroup\color{demo}$ \pm{\infty}$\egroup zum Zeitpunkt \bgroup\color{demo}$ \pm\pi/2$\egroup) ganz im Unterschied zur global definierten Funktion \bgroup\color{demo}$ f$\egroup.

Image ..//pic-4-21.gif

Für lineare Differentialgleichungen hingegen passiert dieses Schrumpfen des Definitionsbereiches nicht:




18.4.6 Folgerung (Lineare Differential-Gleichung).
Es sei \bgroup\color{demo}$ f(t,x):=a(t)\cdot x+b(t)$\egroup, dann existieren die Lösungen dort wo \bgroup\color{demo}$ a:J\to L(E,E)$\egroup und \bgroup\color{demo}$ b:J\to E$\egroup stetig sind.

Beweis. Solche \bgroup\color{demo}$ f:J\times E\to E$\egroup sind automatisch Lipschitz, da

\bgroup\color{demo}$\displaystyle \Vert f(t,x_1)-f(t,x_2)\Vert=\Vert a(t)(x_1-x_...
...ert
\leq \Vert a(t)\Vert \Vert x_1-x_2\Vert\leq L \Vert x_1-x_2\Vert,
$\egroup

wobei \bgroup\color{demo}$ L:=\max\{\Vert a(t)\Vert:t\in J\}$\egroup ist. Also kann im Beweis von für \bgroup\color{demo}$ X$\egroup ganz \bgroup\color{demo}$ C(J,E)$\egroup gewählt werden.     []


Bemerkung.

  1. Falls $ a\in\mathbb{R}$ konstant und $ b=0$ ist (also eine homogene lineare 1-dimensionale Differentialgleichung mit konstanten Koeffizienten gegeben ist), dann ist die Lösung $ x(t)=x(0) e^{at}$. In der Tat können wir wieder Separation der Variablen durchführen und erhalten:

      $\displaystyle \frac{dx}{dt}=x'=a x$    
    $\displaystyle \Rightarrow\quad$ $\displaystyle \frac{dx}{x} = a dt$    
    $\displaystyle \Rightarrow\quad$ $\displaystyle \operatorname{ln}(x)=\int\frac{dx}{x} = \int dt = a t+C$    
    $\displaystyle \Rightarrow\quad$ $\displaystyle x(t) = e^{at+C}$    
      $\displaystyle x_0 = x(0)=e^{0+C}$    
    $\displaystyle \Rightarrow\quad$ $\displaystyle e^C=x_0$    
    $\displaystyle \Rightarrow\quad$ $\displaystyle x(t) = e^{at+C}=e^{at}\cdot e^C=e^{at} x_0.$    

  2. Dies gilt auch für $ a\in L(E,E)$ (d.h. homogene lineare mehrdimensionale Differentialgleichungen mit konstanten Koeffizienten), wobei $ e^a:=\exp(a):=\sum_{k=0}^{\infty}\frac{a^k}{k!}$ für alle $ a\in L(E,E)$ konvergiert und $ x(t)=e^{at} x_0$ die Anwendung der linearen Abbildung $ e^{at}$ auf den Anfangsvektor $ x_0\in E$ ist.

  3. Falls $ v$ ein Eigenvektor zum Eigenwert $ \lambda $ von $ a\in L(E,E)$ ist, d.h. $ a(v)=\lambda  v$ gilt, so liefert die Methode der Variation der Konstanten den Ansatz $ x(t):=c(t) v$. Dies ist genau dann eine Lösung der Differentialgleichung $ x'(t)=a(x(t))$, wenn $ c'(t) v=x'(t)=a(v(t))=a(c(t) v)=c(t) \lambda  v$, also $ c'(t)=\lambda  c(t)$ und somit $ c(t)=c(0) e^{\lambda  t}$ ist.

    Beachte, daß jede Linearkombination von Lösungen einer homogenen linearen Differentialgleichung selbst wieder eine Lösung ist. Wenn also $ v_1,\dots,v_n$ Eigenvektoren von $ a$ mit Eigenwerten $ \lambda _1,\dots,\lambda _n$ sind, so ist auch $ x(t)=\sum_{k=1}^n c_i e^{\lambda _i t} v_i$ eine Lösung zum Anfangswert $ \sum_i c_i v_i$. Wenn die $ v_i$ eine Basis bilden, so kann daraus jede Lösung berechnet werden.

  4. Betrachten wir nun insbesonders den 2-dimensionalen Fall einer homogenen lineare Differentialgleichung

    $\displaystyle \begin{pmatrix}x'(t)  y'(t) \end{pmatrix} = \begin{pmatrix}a & b  c & d \end{pmatrix}\cdot \begin{pmatrix}x(t)  y(t) \end{pmatrix}$

    Es seien $ \lambda $ und $ \mu$ die beiden Eigenwerte dieser $ 2\times 2$-Matrix $ A$ und $ v$ und $ w$ zugehörige Eigenvektoren. Dann können die folgenden Fälle auftreten:
  5. Ist $ a:J\to\mathbb{R}$ beliebig (d.h. eine 1-dimensionale homogene lineare Differentialgleichung mit nicht-konstanten Koeffizienten vorliegen), dann folgt aus $ \frac{dx}{dt}=x'(t) = a(t) x(t)$ formal $ \operatorname{ln}(x)=\int \frac1{x} dx=\int a(t) dt$ und somit

    $\displaystyle x(t) = e^{\int a(t) dt}.
$

    Einsetzen zeigt, daß dies in der Tat die Lösung der Differentialgleichung ist.

  6. Ist wie zuvor $ a$ Skalar-wertig und nun $ b$ beliebig (d.h. eine 1-dimensionale inhomogene lineare Differentialgleichung mit nicht-konstanten Koeffizienten vorliegen), so erhält man die Lösung $ y$ der inhomogenen Gleichung $ y'(t)=a(t) y(t)+b(t)$ durch Variation der Konstanten der Lösung $ x$ der homogenen Gleichung $ x'(t)=a(t) x(t)$, d.h. durch den Ansatz $ y(t):=c(t) x(t)$. Dann ist

    $\displaystyle y'(t)$ $\displaystyle = c(t) x'(t)+c'(t) x(t)= c(t) a(t) x(t)+c'(t) x(t)$    
      $\displaystyle = a(t) y(t) + c'(t) x(t),$    

    also $ c'(t)=\frac{b(t)}{x(t)}$, d.h. $ c(t)=\int \frac{b(t)}{x(t)} dt$.

  7. Ist $ x'(t)=f(x(t))$ eine Zeit-unabhängige nicht-lineare Differentialgleichung und $ f(x_0)=0$, so ist $ x:t\mapsto x_0$ eine stationäre Lösung ein sogenannter Fixpunkt. Indem man die Ableitung $ A:=f'(x_0)$ von $ f$ betrachtet, kann man im generischen Fall (d.h. wo kleine Änderungen der Matrix die Eigenschaften der Eigenwerte wie z.B. deren Positivität nicht ändert) zeigen, daß sich die Lösungen der Differentialgleichung $ x'(t)=f(x(t))$ nahe $ x_0$ im wesentlichen so wie jene der linearen Differentialgleichung $ x'(t)=A\cdot x(t)$ verhalten.

animation animation

Wie untersuchen z.B. die nicht-lineare Differentialgleichung

$\displaystyle x'$ $\displaystyle =x(4-y^2)-3y$    
$\displaystyle y'$ $\displaystyle =y(4-x^2)+3x$    

Die stationären Punkte sind die Lösungen der Gleichung \bgroup\color{demo}$ f(x,y)=0$\egroup also des Gleichungssystems

0 $\displaystyle =x(4-y^2)-3y$    
0 $\displaystyle =y(4-x^2)+3x$    

und somit \bgroup\color{demo}$ (\sqrt{10},\frac12\sqrt{10})$\egroup, \bgroup\color{demo}$ (-\frac12\sqrt{10},\sqrt{10})$\egroup, \bgroup\color{demo}$ (-\sqrt{10},-\frac12\sqrt{10})$\egroup, \bgroup\color{demo}$ (\frac12\sqrt{10},-\sqrt{10})$\egroup und \bgroup\color{demo}$ (0,0)$\egroup. Die Ableitung \bgroup\color{demo}$ f'$\egroup, deren Eigenwerte und deren Eigenvektoren sind in diesen Punkten gegeben durch:

\begin{displaymath}\bgroup\color{demo}
\begin{array}{r\vert c\vert c\vert c\vert...
...i
& \binom{-i}{1},\;\binom{i}{1}\\
\hline
\end{array}\egroup\end{displaymath}

Die ersten 4 Punkte sind also ``Sattelpunkte'' d.h. es gibt zwei gegenüberliegende Richtungen (Eigenvektoren mit positiven Eigenwerten) wo die Lösungen herausfliesen und zwei gegenüberliegende Richtungen (Eigenvektoren mit negativen Eigenwerten) wo die Lösungen hineinfliesen. Der letzte Punkt ist eine Quelle aus der alle Lösungen herausspiralen.

animation animation


18.4.9 Bemerkung. Differentialgleichungen höherer Ordnung.
Unter einer Differentialgleichung \bgroup\color{demo}$ n$\egroup-ter Ordnung versteht man eine Gleichung der Form

\bgroup\color{demo}$\displaystyle x^{(n)}(t) = f(t,x(t),x'(t),\dots,x^{(n-1)}(t)),
$\egroup

wobei \bgroup\color{demo}$ f$\egroup eine lokal definierte Abbildung \bgroup\color{demo}$ \mathbb{R}\times E^n\to E$\egroup ist und die Lösung \bgroup\color{demo}$ x$\egroup lokal von \bgroup\color{demo}$ \mathbb{R}$\egroup nach \bgroup\color{demo}$ E$\egroup \bgroup\color{demo}$ n$\egroup-mal differenzierbar sein soll.

Betrachten wir als ganz einfaches Beispiel die Gleichung 2-ter Ordnung

\bgroup\color{demo}$\displaystyle x''(t)=g$\egroup mit einer Konstanten \bgroup\color{demo}$\displaystyle g.
$\egroup

Wenn wir \bgroup\color{demo}$ y:=x'$\egroup setzen, dann lautet die Gleichung \bgroup\color{demo}$ y'(t)=g$\egroup und hat als Lösung \bgroup\color{demo}$ y(t)=g t+C_1$\egroup, und die Konstante \bgroup\color{demo}$ C_1$\egroup kann aus der Anfangsbedingung \bgroup\color{demo}$ y_0=y(t_0)=x'(t_0)$\egroup als \bgroup\color{demo}$ C_1:=y(0)-g t_0$\egroup berechnet werden. Schließlich hat die Differentialgleichung 1-ter Ordnung

\bgroup\color{demo}$\displaystyle x'(t)=y(t)=g (t-t_0)+y_0
$\egroup

als Lösung

\bgroup\color{demo}$\displaystyle x(t)=g \frac{(t-t_0)^2}2+y_0 t+C_0
$\egroup

und die Konstante \bgroup\color{demo}$ C_0$\egroup kann aus der Anfangsbedingung \bgroup\color{demo}$ x_0=x(t_0)$\egroup als \bgroup\color{demo}$ C_0:=x_0-y_0 t_0$\egroup berechnet werden. Die allgemeine Lösung obiger Differentialgleichung 2-ter Ordnung ist somit durch

\bgroup\color{demo}$\displaystyle x(t)=\frac{g}{2} (t-t_0)^2+x'(t_0) (t-t_0)+x(0)
$\egroup

gegeben. Diese Differentialgleichung tritt in der Physik an prominenter Stelle auch wirklich auf, wie wir im nachfolgenden Beispiel (18.4.10) sehen werden.

Ganz analog kann man auch bei allgemeinen Differentialgleichungen \bgroup\color{demo}$ n$\egroup-ter Ordnung vorgehen: Wenn man \bgroup\color{demo}$ y_0(t):=x(t)$\egroup, \bgroup\color{demo}$ y_1(t):=x'(t)$\egroup, ..., \bgroup\color{demo}$ y_{n-1}(t):=x^{(n)}(t)$\egroup für eine Lösung \bgroup\color{demo}$ x$\egroup setzt, dann ist \bgroup\color{demo}$ y:t\mapsto (y_0(t),\dots,y_{n-1}(t))$\egroup eine Lösung der gewöhnlichen Differentialgleichung 1. Ordnung:

\bgroup\color{demo}$\displaystyle y'(t) = g(t,y(t)),
$\egroup

wobei \bgroup\color{demo}$ g:\mathbb{R}\times E^n\to E^n$\egroup gegeben ist durch

\bgroup\color{demo}$\displaystyle g(t,y_0,\dots,y_{n-1}) := \Bigl(y_0,\dots,y_{n-2},f(t,y_0,\dots,y_{n-1})\Bigr).
$\egroup

Umgekehrt liefert auch jede Lösung \bgroup\color{demo}$ y=(y_0,\dots,y_{n-1})$\egroup von \bgroup\color{demo}$ y'(t)=g(t,y(t))$\egroup eine Lösung \bgroup\color{demo}$ x:=y_0$\egroup von \bgroup\color{demo}$ x'(t)=f(t,x(t),\dots,x^{(n-1)}(t))$\egroup.

Ist insbesonders \bgroup\color{demo}$ f(t,x_0,\dots,x_{n-1}):=\sum_{k=0}^n a_k(t) x_k(t)$\egroup, so ist \bgroup\color{demo}$ g(t,y)$\egroup linear in \bgroup\color{demo}$ y$\egroup und wird durch die Matrix

\bgroup\color{demo}$\displaystyle \begin{pmatrix}
0 & 1 & 0 & \hdots & 0 \\
\vd...
...& \hdots & 0 & 1 \\
a_0 & a_1 & \hdots & a_{n-2}& a_{n-1}
\end{pmatrix}$\egroup

gegeben. Deren Eigenwerte \bgroup\color{demo}$ \lambda $\egroup sind gerade die Lösungen der Gleichung

\bgroup\color{demo}$\displaystyle \det
\begin{pmatrix}
-\lambda & 1 & 0 & \hdots...
...& 1 \\
a_0 & a_1 & \hdots & a_{n-2} & a_{n-1}-\lambda
\end{pmatrix}=0
$\egroup

und somit (durch Entwicklung nach der letzten Zeile) von

0 $\displaystyle = a_0\cdot 1 - a_1\cdot (-\lambda ) +-\dots +(-1)^{n-1} (a_{n-1}-\lambda ) (-\lambda )^{n-1}$    
  $\displaystyle = a_0 + a_1 \lambda + \dots + a_{n-1} \lambda ^{n-1}-\lambda ^{n}.$    


18.4.10 Beispiel. Gravitationsfelder.
Bekanntlich bewegen sich Objekte auf die keine Kräfte einwirken gleichförmig, d.h. ihre Geschwindigkeit \bgroup\color{demo}$ x'(t)$\egroup ist konstant, also \bgroup\color{demo}$ x'(t)=v_0$\egroup und somit \bgroup\color{demo}$ x(t)=t v_0+x_0$\egroup, wobei \bgroup\color{demo}$ x_0=x(0)$\egroup und \bgroup\color{demo}$ v_0=x'(0)$\egroup die Anfangsbedingung ist. Wirkt hingegen eine Kraft \bgroup\color{demo}$ F$\egroup auf ein Objekt der Masse \bgroup\color{demo}$ m$\egroup, so gilt das

Newton'sche Kraftgesetz: Kraft ist Masse mal Beschleunigung,
d.h. das Objekt erfährt eine zur Kraft proportionale Beschleunigung. Ist insbesonders die Kraft konstant (z.B. ist die Erdanziehungskraft \bgroup\color{demo}$ g\cdot m$\egroup nahe der Erdoberfläche, wobei \bgroup\color{demo}$ g\thickapprox 9.81m/s^2$\egroup die Erdbeschleunigung bezeichnet) so lautet das Newton'sche Kraftgesetz \bgroup\color{demo}$ g\cdot m=F=m\cdot x''(t)$\egroup, wobei \bgroup\color{demo}$ x''(t)$\egroup die Beschleunigung des Objekts beschreibt, welches sich zum Zeitpunkt \bgroup\color{demo}$ t$\egroup and der Stelle \bgroup\color{demo}$ x(t)$\egroup befindet. Die Flugbahn wird also durch die Differentialgleichung 2-ter Ordnung \bgroup\color{demo}$ x''(t)=g$\egroup beschrieben und die Lösungen sind nach obigem Parabeln \bgroup\color{demo}$ x(t)=\frac{g}{2} (t-t_0)^2+x'(t_0) (t-t_0)+x(0)$\egroup.

Image ..//pic-4-25.gif

Entfernt sich das Objekt hingegen wesentlich von der Erdoberfläche, so nimmt die Anziehungskraft der Erde (mit dem Quadrat der Entfernung \bgroup\color{demo}$ x(t)$\egroup zum Erdmittelpunkt) ab, ist also durch \bgroup\color{demo}$ F=-\frac{\gamma M m}{x(t)^2}$\egroup gegeben, wobei \bgroup\color{demo}$ \gamma $\egroup die Gravitationskonstante und \bgroup\color{demo}$ M$\egroup die Masse der Erde bezeichnet. Die zugehörige Differentialgleichung ist somit

\bgroup\color{demo}$\displaystyle x''(t)=-\frac{\gamma M}{x(t)^2}.
$\egroup

Mittels folgendem Trick können wir Gleichungen der Form \bgroup\color{demo}$ x''(t)=f(x(t))$\egroup lösen: Sei dazu \bgroup\color{demo}$ F$\egroup eine Stammfunktion von \bgroup\color{demo}$ f$\egroup und somit ist

$\displaystyle (x'\cdot x')'(t)$ $\displaystyle =2 x'(t) x''(t) = 2 x'(t) F'(x(t))= (2 F\o x)'(t),$    
also $\displaystyle x'(t)^2$ $\displaystyle = 2 F(x(t)) + C,$    

und \bgroup\color{demo}$ C$\egroup kann aus der Anfangsbedingung \bgroup\color{demo}$ x'(0)$\egroup bestimmt werden. Weiters kann \bgroup\color{demo}$ x(t)$\egroup durch Lösen der Differentialgleichung 1-ter Ordnung

\bgroup\color{demo}$\displaystyle x'(t)=\pm\sqrt{C+2 F(x(t))}
$\egroup

im Prinzip mittels Separation der Variablen bestimmt werden:

\bgroup\color{demo}$\displaystyle \int\frac1{\sqrt{C+2 F(x)}} dx=\pm\int dt =\pm t+C_1.
$\egroup

In unseren Fall ist \bgroup\color{demo}$ f(x):=-\frac{\gamma M}{x^2}$\egroup und somit \bgroup\color{demo}$ F(x)=\frac{\gamma M}{x}$\egroup, also

\bgroup\color{demo}$\displaystyle x'(t)^2=C + \frac{2\gamma M}{x}$\egroup mit \bgroup\color{demo}$\displaystyle C=v_0^2-\frac{2\gamma M}{x_0},
$\egroup

wobei \bgroup\color{demo}$ x_0$\egroup Anfangshöhe und \bgroup\color{demo}$ v_0$\egroup Anfangsgeschwindigkeit ist.

Falls \bgroup\color{demo}$ C=0$\egroup ist, und somit \bgroup\color{demo}$ x'$\egroup nur für \bgroup\color{demo}$ x\to{\infty}$\egroup verschwindet und folglich \bgroup\color{demo}$ x(t)\to{\infty}$\egroup für \bgroup\color{demo}$ t\to{\infty}$\egroup gilt, also \bgroup\color{demo}$ v_0=\sqrt{\frac{2\gamma M}{x_0}}$\egroup die Fluchtgeschwindigkeit ist, so liefert Separation der Variablen:

\bgroup\color{demo}$\displaystyle \int \sqrt{x} dx=\pm\int \sqrt{2\gamma M} dt,
$\egroup

also \bgroup\color{demo}$ x^{3/2}=\pm\frac{3}2 (\sqrt{2\gamma M} t+C_1)$\egroup und somit

\bgroup\color{demo}$\displaystyle x(t)=\left(\pm3\sqrt{\frac{\gamma M}{2}} t+C_...
...)^{2/3}
=\left(\pm3\sqrt{\frac{\gamma M}{2}} t+x_0^{3/2}\right)^{2/3}.
$\egroup

Andernfalls versuchen wir zuerst die Konstanten zu vereinfachen: Dazu substituieren \bgroup\color{demo}$ y(t):=\frac1{\lambda }x(t)$\egroup mit \bgroup\color{demo}$ \lambda >0$\egroup und erhalten somit

\bgroup\color{demo}$\displaystyle y'(t)^2=\frac{1}{\lambda ^2} x'(t)^2
=\frac{1...
... y(t)}\right)
=\frac{C}{\lambda ^2}+\frac{2\gamma M}{\lambda ^3 y(t)}
$\egroup

Wählen wir also \bgroup\color{demo}$ \lambda :=\root3\of{2\gamma M}$\egroup so lautet unsere Differentialgleichung

\bgroup\color{demo}$\displaystyle y'(t)^2=C_1+\frac1{y(t)}$\egroup mit \bgroup\color{demo}$\displaystyle C_1=\frac{C}{(2\gamma M)^{2/3}}
$\egroup

Mittels separation der Variablen formen wir die Differentialgleichung um in

\bgroup\color{demo}$\displaystyle \int \sqrt{\frac{y}{1+C_1 y}} dy=\pm\int dt=\pm t+C_2.
$\egroup

Substituieren wir nun \bgroup\color{demo}$ z:=\sqrt{\frac{y}{1+C_1 y}}>0$\egroup, also

\bgroup\color{demo}$\displaystyle y=\frac{z^2}{1-C_1 z^2}$\egroup und \bgroup\color{demo}$\displaystyle dy=\frac{2z}{(1-C_1 z^2)^2} dz,
$\egroup

so erhalten wir mittels partieller Integration

$\displaystyle \int \sqrt{\frac{y}{1+C_1 y}} dy$ $\displaystyle = \int \frac{2z^2} {(1-C_1 z^2)^2} dz$    
  $\displaystyle = \int \frac{z}{C_1} \frac{2 C_1 z} {(1-C_1 z^2)^2} dz$    
  $\displaystyle = \frac{z}{C_1} \frac{1}{1-C_1 z^2} - \frac1{C_1}\int \frac{1}{1-C_1 z^2} dz$    

Und je nach Vorzeichen von \bgroup\color{demo}$ C_1$\egroup ist

$\displaystyle \int \frac{1}{1-C_1 z^2} dz$ $\displaystyle = \frac12 \int\frac1{1-\sqrt{C_1}z}+\frac1{1+\sqrt{C_1}z} dz$    
  $\displaystyle = \frac1{2\sqrt{C_1}} \Bigl( -\operatorname{ln}(1-\sqrt{C_1}z)+\operatorname{ln}(1+\sqrt{C_1}z)\Bigr)$    
  $\displaystyle = \frac1{2\sqrt{C_1}} \Bigl( -\operatorname{ln}(1-\sqrt{C_1}z)+\operatorname{ln}(1+\sqrt{C_1}z)\Bigr)$    
  $\displaystyle = \frac1{2\sqrt{C_1}} \operatorname{ln}\left(\frac{1+\sqrt{C_1}z}{1-\sqrt{C_1}z}\right)$   für $\displaystyle C_1>0$    
und $\displaystyle \quad \int \frac{1}{1-C_1 z^2} dz$ $\displaystyle = \frac1{\sqrt{-C_1}}\int \frac{\sqrt{-C_1}}{1+(\sqrt{-C_1}z)^2} dz$    
  $\displaystyle = \frac1{\sqrt{-C_1}}\arctan(\sqrt{-C_1}z)$   für $\displaystyle C_1<0.$    

Rücksubstitution von \bgroup\color{demo}$ z=\sqrt{\frac{y}{1+C_1 y}}$\egroup ergibt somit

$\displaystyle \pm t+C_2$ $\displaystyle = \frac{z}{C_1} \frac{1}{1-C_1 z^2} - \frac1{C_1}\int \frac{1}{1-C_1 z^2} dz$    
  $\displaystyle = \frac{z}{C_1(1-C_1 z^2)} - \frac1{2 C_1^{3/2}} \operatorname{ln}\left(\frac{1+\sqrt{C_1}z}{1-\sqrt{C_1}z}\right)$    
  $\displaystyle = \frac{ 2 \sqrt{C_1  y (1 + C_1  y)} -\operatorname{ln}(1 + 2 C_1 y + 2 \sqrt{C_1  y (1 + C_1  y))}}{2 C_1^{3/2}}$    
bzw. $\displaystyle \quad$ $\displaystyle = \frac{z}{C_1(1-C_1 z^2)} - \frac1{C_1 \sqrt{-C_1}} \arctan(\sqrt{-C_1}z)$    
  $\displaystyle = \frac{\sqrt{-C_1  y (1 + C_1  y)} - \arctan(\sqrt{\frac{-C_1 y}{1+C_1 y}})}{C_1 \sqrt{-C_1}}$    
  $\displaystyle = \frac{ \sqrt{-C_1  y (1 + C_1  y)} - \arcsin(\sqrt{-C_1 y})}{C_1 \sqrt{-C_1}}$    

Es gelingt uns allerdings nicht mehr die Umkehrfunktion diese Ausdruckes für \bgroup\color{demo}$ \pm t+C_2$\egroup explizit zu berechnen, aber zumindest könne wir damit exakt berechnen zu welchen Zeitpunkt \bgroup\color{demo}$ t$\egroup eine vorgegebene Höhe \bgroup\color{demo}$ x$\egroup erreicht wird (oder auch nicht).
Für \bgroup\color{demo}$ C_1=1$\egroup erhalten wir

Image ..//pic-4-26a.gif

für \bgroup\color{demo}$ C_1=-1$\egroup hingegen

Image ..//pic-4-26b.gif

Wenn wir nun mit \bgroup\color{demo}$ x(t)\in\mathbb{R}^3$\egroup die Koordinaten eines Objektes im Raums bezeichnen, wobei wir den Ursprung in den Sonnenmittelpunkt gelegt haben, so gilt für die Kraft die die Sonne auf das Objekt der Masse \bgroup\color{demo}$ m$\egroup ausübt entsprechend \bgroup\color{demo}$ F=-\frac{\gamma Mm}{\vert x\vert^2} \frac{x}{\vert x\vert}$\egroup und die Differentialgleichung die die Bahn des Objekts beschreibt ist durch

\bgroup\color{demo}$\displaystyle x''(t)=-\frac{\gamma Mm}{\vert x\vert^3} x
$\egroup

gegeben. Wenn wir dies numerisch lösen, dann sehen wir, daß je nach Anfangsbedingungen (Anfangsort \bgroup\color{demo}$ x(0)$\egroup und Anfangsgeschwindigkeit \bgroup\color{demo}$ x'(0)$\egroup) die Bahnen durch Ellipsen (Kreise), Parabeln und Hyperbeln beschrieben werden.

Image ..//pic-4-27.gif

Beachte, daß die entsprechende Differentialgleichung bereits \bgroup\color{demo}$ 6$\egroup Variablen aufweist. Stellt man für mehrere Körper (z.B. die 9 Planeten unseres Sonnensystems) ein ganz analog gebildetes Gleichungssystem auf, so involviert dieses bereits \bgroup\color{demo}$ 9\cdot 6=54$\egroup Variablen. Wir sehen also, daß es keine akademische Spielerei war in der Mathematik 1 Vektorräume der Dimension größer als 3 zu behandeln.

Andreas Kriegl 2002-07-01